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DIE UMSETZER im Interview

DIE UMSETZER im Interview

"Kommt und geht"

Interimsmanager gehen in Firmen, um einen speziellen Job zu erledigen. Ist das Werk vollbracht, sind sie auch wieder weg.

Sie haben im Unternehmen keine Vergangenheit und keine Zukunft. Keine alten Geschichten, die sie belasten könnten. Keine angestrebten Posten, die sie erreichen wollen. Interimsmanager sind Manager auf Zeit: für einen bestimmten Job, für eine bestimmte Periode, mit einem definierten Ziel.

Andreas und Moritz Kronberger, Vater und Sohn, Inhaber einer eigenen Firma im Bereich Medizinprodukte, übernehmen immer wieder solche Aufträge. Für Die Umsetzer, ein Wiener Beratungsunternehmen, sind sie wertvolle Mitarbeiter mit Sonderstellung: eine schwer zu findende Spezies. „Man muss als Person speziell gestrickt sein“, sagt Matthias Prammer von Die Umsetzer. Er habe schon viele Manager scheitern sehen, die sich als Interimsmanager versucht haben. „Reflektiert und sensibel sein, schnell viel lernen, das können nur wenige“, sagt Prammer.

Andreas Kronberger beschreibt den Job des Interimsmanagers so: „Man gibt sein Ego an der Tür ab, geht für eine Zeit in ein Unternehmen und muss sich schnell zurechtfinden“. Alle Firmen seien anders, es gebe große kulturelle Unterschiede und die Umweltbedingungen seien sehr verschieden. „Man muss schnell verstehen: wo sind die wichtigsten Personen und wie laufen die komplexen Zusammenhänge“, sagt Andreas Kronberger. Es sei ein Vorteil, nicht Teil der Konzernpolitik zu sein, weil man sich nicht anpassen muss. Weshalb der Handlungsspielraum größer sei.

Dass Interimsmanagement immer stärker zum Projektmanagement wird, diese Entwicklung sehen sowohl Matthias Prammer als auch seine beiden Interimsmanager. „Ging es früher stärker um Vakanzen, die temporär besetzt werden mussten, sind es heute eher Projekte, die man von externen Experten umsetzen lässt“, erklärt Matthias Prammer. Diese Entwicklung hätte mehrere Auslöser: zum einen sei die interne Mobilität der Mitarbeiter in Unternehmer oft geringer als gedacht. Zum anderen lässt die knappe Personalkalkulation es oft nicht zu, dass sich Mitarbeiter um Sonderthemen kümmern. Prammer: „Da fehlen einfach die passenden Leute auf der Ersatzbank.“ Moritz Kronberger etwa, wird oft für IT-Projekte in Firmen geholt. „Das sind oft heiße Kartoffeln, die an uns übertragen werden“, also Projekte, für die man den Fachmann von außen holt. „Da bin ich dann der Spezialist, der viel Wissen einbringen kann“, sagt Moritz Kronberger.

Wie lange ein Auftrag dauert? „Zwischen ein und drei Jahren. Zu kurz funktioniert nicht, weil man nicht umsetzen kann, zu lange auch nicht, weil man mit dem Unternehmen zu verbunden wird“, erklärt Matthias Prammer. Unverbindlichkeit – in diesem Fall ein Erfolgsfaktor.

VON Sandra Baierl
KURIER Job&Business Nr. 4/21
Wien, am 30.01.2021