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Die Zeit der Ausreden

Die Zeit der Ausreden

Die große Selfservice-Pizzakette hat es nicht geschaft.
Anfang April war es vorbei – Insolvenz. Der Grund ist klar: Corona hat das Unternehmen in die Knie gezwungen.
In vielen Unternehmen ist es ähnlich. Projektziele werden über Bord geworfen, Verkaufsziele rücken in weite Ferne. Wer Schulkinder hat, erlebt Vergleichbares: Die Erwartungen werden massiv nach unten korrigiert – als direkte Folge der aktuellen Rahmenbedingungen.

Mit der Pandemie im Rücken ist der allgemeine Konsens: Was geht, machen wir. Mehr muss nicht sein. Das ist oft gerechtfertigt.
In vielen Fällen ist es jedoch eine vorgeschobene Begründung.
Darin drückt sich der Unwille aus, Zusatzenergie zu investieren und so ursprünglich gesteckte Ziele doch – auf andere Art und Weise – zu erreichen.
Dem müssen wir in den Unternehmen und als Gesellschaft jetzt entgegenwirken.
Entscheidungsträger und Multiplikatoren sind da besonders gefordert. Konkret sind es drei Schritte, die wichtig sind, um hier einen neuen Konsens zu schaffen:

Achtsamkeit statt Angst

Angst ist ein mächtiges Grundgefühl,
wahrscheinlich das mächtigste überhaupt.
Der Volksmund kennt die lähmende Angst: Wir werden starr, jede Initiative geht verloren. Ein Wesen dieser angeborenen Emotion ist, dass sie oft dort am größten ist, wo es keine reale Bedrohung gibt.

Fragen Sie Menschen in Wien-Floridsdorf und an der Westküste Australiens, wer wie viel Angst vor Haien hat. Das Ergebnis wird eindeutig sein: die Transdanubier – obwohl in der alten Donau die Anzahl entsprechender Attacken doch überschaubar ist.

Daraus ergibt sich der Auftrag, bewusst Ängste abzubauen und stattdessen mit Achtsamkeit auf die Dinge zuzugehen.
Das zeigt sich bei vermeintlich kleinen Themen. Alle Treffen und Veranstaltungen absagen ist Angst. Sie mit Achtsamkeit durchführen wäre das Gebot der Stunde. Dabei ist das Risiko einer Ansteckung weit geringer als das eines Verkehrsunfalls bei der Anreise.
Daher ist Achtsamkeit statt Angst das richtige Mantra!

Fordern und Fördern im Modus 2.0

Dass Fordern und Fördern das richtige Führungsmotto ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Interessanterweise tritt es bei besonderen Herausforderungen gerne wieder in den Hintergrund.
Wir können keine komplexen Diskussionen über virtuelle Meetings führen?
Dann müssen wir es lernen! Nicht alle beherrschen die Tools? Das kann man trainieren!
Lernen heißt immer auch „einfach tun“ – mit Elan, Freude und Offenheit auf Neues zugehen.
Das kann der Mensch übrigens erwiesenermaßen bis ins sehr hohe Alter. Er braucht nur die Bereitschaft von innen und manchmal einen Impuls von außen.

Gesellschaftlich ist es wichtig, dass wir die 100-Prozent-Sorglospakete, die wir gerade schnüren – im Sinne von Härtefallfonds und Co –, wieder auf das absolut erforderliche Maß zurückfahren.
Natürlich freut sich jeder über – vermeintlich – geschenktes Geld. Aber Zuversicht entsteht nicht aus Almosen, sondern aus Vertrauen in die eigenen Kompetenzen in Verbindung mit Chancen im Umfeld.

Das heißt auch, dass Scheitern möglich sein muss. Wer das Scheitern abschaft, hilft vielleicht dem Einzelnen, gefährdet jedoch sicher das Ganze.

„Das geht halt nicht“?!

Wer den Satz „Das geht nicht!“ sagt, muss als Antwort bekommen:
„Das geht SO nicht.“
Das ist ein gravierender Unterschied und die Basis für strategischen Erfolg.

Damit der Allgemeinplatz „Die Krise als Chance“ funktioniert, muss die Bereitschaft bestehen, sich selbst und andere auf neue Wege zu führen.
Eine hilfreiche Herangehensweise wäre, sich zu fragen:
Angenommen, wir hätten im März 2020 unsere Firma gegründet – wie würden wir dieses oder jenes angehen? Oder: Was tun wir nicht, was andere tun? Womit heben wir uns genau jetzt ab?

Echte Innovation findet daher genau jetzt statt, wenn wir bereit sind, diese neuen Wege auch zu gehen. Das klappt nicht immer, aber sicher öfter, als viele glauben.

1972 hatte Österreich knapp 3.000 Verkehrstote. 2019 waren es etwas mehr als 400. Damals ist niemand auf die Idee gekommen, das Autofahren einzustellen.
Wir sind achtsamer geworden, haben stärkere Regulation eingefordert und die Technik weiterentwickelt. Hier wurden viele neue Wege gegangen.
Auch wenn der Vergleich nicht in allen Aspekten passt: In Summe wäre das auch der richtige Zugang zur aktuellen Situation:

achtsam, konsequent und mutig sein. Dann kommen wir stärker aus der Pandemie heraus – als Gesellschaft, in den Unternehmen und jede und jeder Einzelne.

 

Gastkommentar vom 16.10.2020 in News: Österreichs größtes Nachrichtenmagazin, Printausgabe Nr: 42, Seite: 35